Ein Buch, das sich liest wie ein einziges emotionales Feuerwerk, das prickelnde Spannung von der ersten bis zur letzten Seite bietet, Dich schier um den Schlaf bringt, Dich von der Arbeit, vom Lernen und überhaupt vom eigenen Leben abhält – Hand aufs Herz: Wie viele solche Bücher hast Du bis jetzt gelesen?

Ich kann mich an zwei, drei schlaflose Nächte erinnern, die ich wegen eines Buches hatte, das ich nicht mehr aus der Hand legen konnte. Doch bei den meisten Büchern, so spannend sie auch sind, bin ich zwischendurch immer wieder auf etwas trägere und langweiligere Stellen gestossen.

Als Autorin gehe ich solchen Dingen natürlich gerne auf den Grund und versuche herauszufinden, was es so mit der Spannung auf sich hat, wie sie entsteht und warum und wann wir etwas als spannend empfinden.

Ein Buch mag vor Fehler und Unstimmigkeiten noch so strotzen – wenn es spannend ist,verzeihen wir ihm viel.

Wie aber erzeugt man Spannung?

Nun, bei einigen Geschichten ist die Spannung von Anfang an gegeben. Andere Geschichten brauchen erst mal einen Aufbau, bis sie sich richtig entfalten können. Manchmal sind einige informative Kapitel notwendig, um den Leser emotional auf den Höhepunkt der Story vorzubereiten. Diese Kapitel werden oft als etwas langweilig empfunden.

Ich habe das sehr stark beim Schreiben der Maya und Domenico Bücher erlebt. Nicht jedes der insgesamt neun Bücher liess sich gleich einfach schreiben. Bei einigen flutschte es nur so mit der Spannung, bei den anderen stand ich vor einigen Herausforderungen. Ein typisches Paradebeispiel ist Band 2 von Maya und Domenico. Dort reist Maya mit ihrem Vater nach Sizilien, um Domenico zu finden. Ungefähr das erste Drittel des Buches wird von manchen Lesern als weniger aufregend empfunden. Ich weiss auch, warum: Weil Domenico in diesen Szenen noch nicht anwesend ist. Erst ab dem Punkt, als Domenico auftaucht, steigt die Spannung. Das habe auch ich beim Schreiben so empfunden. Die ersten Kapitel ohne Domenico machten mir daher auch etwas weniger Spaß. Ich konnte es kaum erwarten, Domenico und seinen Zwillingsbruder Mingo endlich ins Spiel zu bringen. 

Dennoch musste dieses erste Drittel ohne Domenico und Mingo sein. Warum? 

Erstens: Ich musste Mayas Vater überhaupt erst dazu bringen, mit seiner Tochter nach Sizilien zu reisen. So leicht liess der sich ja nicht überzeugen 😉 

Zweitens: Es wäre ziemlich unrealistisch gewesen, wenn Maya die Zwillingsbrüder auf Anhieb gefunden hätte. 

Drittens: Durch die Wartezeit und die lange Suche wird unbewusst die Vorfreude des Lesers auf den Moment gesteigert, in dem Maya Domenico zum ersten Mal wieder gegenüberstehen wird. 

Du siehst, wir Autoren wenden manchmal ganz fiese Tricks an 😉 

Was ich damit eigentlich sagen möchte: Es ist absolut in Ordnung, wenn in Deiner Geschichte nicht jedes Kapitel gleich spannend erscheint. Manchmal braucht es diese emotionale Vorbereitung auf den Höhepunkt. Und manchmal muss man eine Figur erst durch einen Prozess führen, ehe man sie dorthin senden kann, wo man sie haben möchte. Spannung lässt sich auch nicht an den Haaren herbeiziehen. Es gibt aber trotzdem ein paar Tricks, wie du auch die ruhigeren Kapitel so interessant wie möglich gestalten kannst:

1. Fasse das „langweilige“ Kapitel erst mal stichwortartig zusammen. Überleg Dir, was für Informationen und Gefühle Du dem Leser damit vermitteln möchtest und was für eine Entwicklung Deine Figur durchschreiten soll. Dann versuch genau diese Punkte beim Schreiben deutlich herauszuarbeiten. 

2. Überleg Dir gleichzeitig, ob es überhaupt notwendig ist, dafür ein eigenes Kapitel zu schreiben. Manchmal lassen sich gewisse Informationen auch rückwirkend ins nächste Kapitel einarbeiten. 

3. Wenn Du entscheidest, dass dieses Kapitel trotz allem wichtig ist: Finde ein paar Möglichkeiten, es zusätzlich mit etwas Spannung zu würzen. Versuche auf keinen Fall, etwas zu konstruieren, was nicht in die Geschichte passt, sondern halte den Leser mit ein paar Zückerchen bei der Stange. Ein guter Trick ist, manchmal den Vorhang auf den Höhepunkt ganz ganz sachte zu lüften und dem Leser einen winzigkleinen Einblick in das zu geben, was ihn erwarten wird, wenn er dranbleibt. Aber ja nicht zu viel verraten!! Nur ein klein wenig neugierig machen 🙂 

Wenn der Leser dem roten Faden auch durch die ruhigeren Kapitel hindurch folgenden kann, wird er diese Kapitel auch als weniger langweilig empfinden! 

Letzes Update: 23. Juni 2017