Die fiesen Schreibblockaden

Schreibblockaden. Das sind so kleine Monster, die irgendwas mit den Fingern anstellen, so dass man nicht mehr in der Lage ist, sie über die Tastatur zu bewegen geschweige denn einen Buchstaben zu produzieren.

Hast Du das schon mal erlebt?
Ich nicht. Ich habe noch nie eine Muskelstarre in den Fingern gehabt, die mir das Schreiben verhindert hätten. Aber es klingt schon ein bisschen chic, wenn man als Autor sagen kann, man habe eine Schreibblockade, gell? 😉

Ich übertreibe gern ein bisschen. Aber ganz ehrlich: Ich halte nicht so viel von diesem Wort Schreibblockade. Lass uns das Ding doch lieber ganz natürlich betrachten, anstatt daraus eine hochkomplizierte Angelegenheit zu machen: Du hast einen Text, den du schreiben möchtest (oder musst, wenn es um Examen und Schularbeiten geht), knobelst dran rum, ringst mit jedem Wort, und je mehr du schreibst, umso auswegloser scheint das Ganze zu werden, und die zündende Idee, die Du so händeringend suchst, hat sich irgendwo verkrochen und lacht Dich aus ihrem Versteck gemein an und sagt, ätsch, nein, heute komm ich nicht zu Dir! Morgen vielleicht, oder auch erst übermorgen, aber heute sicher nicht. Und am Schluss des Tages möchtest du am liebsten das Fenster öffnen und den ganzen Computer samt Maus und Tastatur raus auf die Strasse oder in den Garten pfeffern.

Ist doch nicht so schlimm. Das ist menschlich und glaub mir, es geht den meisten so. Mir auch. Deswegen musst du nicht gleich zum Psychiater.

Es ist natürlich eine blöde Sache. Ich hab’s auch nicht gern. Ich kann ein Liedchen davon singen, wenn nicht sogar eine ganze Arie.

Was ich dagegen mache? Ich schreibe trotzdem. Hast du schon einmal davon gehört, dass auch aus einer schlechten Idee etwas Gutes entstehen kann? So geht es mir oft an diesen flauen Tagen. Der Text ist zwar so grottenschlecht, dass mir schier die Tränen übers Gesicht laufen, aber irgendwo in diesem Unkraut, das ich produziere, ist dann doch ein Goldkörnchen verborgen, ein kleiner Same, der auf einmal anfängt zu spriessen.

Auch ein Spaziergang an der frischen Luft kann helfen. Manchmal ist es auch nützlich, erst mal ein paar Dinge zu erledigen, die schon lange erledigt werden müssten, denn es fühlt sich immer gut an, wenn man wieder etwas abhaken kann. Hinterher geht es dann auch oft wieder besser mit Schreiben. Wenn Du unter Zeitdruck bist, weil Du dringend ein Buch oder eine Arbeit abliefern musst: Schreib an einem anderen Kapitel weiter und lass das Kapitel, das sich so mühsam gebährdet, einfach mal stehen. Dann hast Du trotzdem das Gefühl, mit Deinem Text vorwärts zu kommen, und kannst Dir das verzwickte Kapitel dann vorknöpfen, wenn es Dir wieder besser geht. Genau das ist der Grund, warum meine Texte in der Entstehungsphase immer furchtbar chaotisch aussehen: Ich schreibe oft dort, wo das Gras gerade am grünsten ist und hebe mir die Durststrecken für später auf. So trickse ich diese lästigen Monster namens Schreibblockaden nämlich ganz fies aus 😉

Und es ist auch völlig in Ordnung, wenn es Tage gibt, wo Du nur einen einzigen Satz zustandekriegst –  na ja, sofern Du nicht allzu sehr unter Zeitdruck bist natürlich. Zeitdruck ist fies, aber manchmal ist er halt da. Und er kann auch nützlich sein, aber das ist wieder ein anderes Thema.

Mein Tipp: Nenn die Schreibblockaden doch lieber einfach schlechte Tage. Das hört sich etwas weniger dramatisch an. Denn schreiben kannst Du IMMER. So lange Du Deine Finger auf der Tastatur bewegen kannst, kannst du schreiben. Erst dann, wenn Deine Finger auf der Tastatur festkleben und sich nicht mehr bewegen lassen, ja … dann hast Du ein ernsthaftes Problem.  Aber lieber produzierst du etwas Unkraut als überhaupt nichts. Denn vergiss nicht: Im Unkraut ist oft irgendwo ein Sämchen versteckt, das zu einem ausgewachsenen Baum voller Ideen führen kann.

Letzte Änderung: 15. April 2017